
Jan hat mich gerade nochmal per Telegram befeuert doch auch mal meinen Senf zu der Jahrmarktsbratwurst, die für mich die Musikwelt 2022 war, dazuzugeben, denn genau so fühlte sich musikalisch dieses Jahr für mich an: Viele alte Würste, die am Rand des Schwenkgrilles lagen, die ich erst dieses Jahr für mich zu genießen gelernt habe und genau das richtige für meinen Magen in diesem Moment waren.
Wirklich neues hab ich für mich nicht entdeckt, keine neue hippe Tofuwürstchen aus Ost-Asien mit fermentierten Sojachunks, keine neue Curry-Mischung für die Currywurst, sondern alt-bewährtes, was in den letzten Jahren einfach an mir vorbeigangen war und ich nun endlich wie ein besoffener auf dem Rummel namens Spotify zufällig draufgestossen bin.
Anfang des Jahres ist mein fiktives betrunkenes ich defintiv per Zufall an die Bierbank mit alten bärtigen Jungs in Lederkutten gelandet.
Dort entdeckte ich für mich das Album II von Cursed, ein Hardcore Punk Album von 2005 mit Sludge einflüssen; Power Violence von Flouride mit dem Album Disentanglement aus 2019.
Weiter treibte es mich an die Screamo-Theke mit der Last EP von Ostraca aus 2017 und für mich frische Klänge in der Form des Screamos mit weiblichem Gesang durch Closer mit dem Album All This Will Be aus 2018 und meiner offiziellen „Harte-Musik-Entdeckung-des-Jahres“ Nuvolscura mit dem Album As We Suffer From Memory & Imagination aus 2020:
Weiter ging die Reise in die Richtung was Brauer und Biersnobs „Lichtgeschmack“ nennen und für normale Leute einfach der Geruch ist, wenn man im Sommer ein Brinkhoff’s im Westpark öffnet: Hier riechts nach Weed, muss wohl Frederics Hip-Hop-Liste des Jahres sein:
Bei Hip-Hop bin ich dieses Jahr aktueller unterwegs, was aber nicht bedeutet, dass für mich neue Künstler auf der Liste gelandet sind, es sind durch die Bank Künstler, die ich schon in den letzten Jahren gehört habe und für mich einfach sowas wie Soulfood sind, aber an den meisten Dingen isst man sich doch auch mal schnell satt.
Das erste nennenswerte Album des Jahres für mich war Continuance von Curren$y. Es ist halt Curren$y über Alchemist Produktion, viel falsch kann da nicht laufen sollte man denken, wobei ich dieses Jahr überraschend oft von Alchemist + Rapper Kombinationen enttäuscht war und für mich war es das Standout Album dieses kleine Subgenre.
Generell gab es für mich im Hip-Hop viele Enttäuschungen dieses Jahr, inkludierend viele Alben, die im Internet ultra gehyped waren aber bei mir einfach nicht ankamen: Kendrick, Pusha T, Knucks, Lupe Fiasco, Joey Bada$$, Danger Mouse/Black Thought, Gibbs, R.A.P. Ferreira, JID, Earthgang, die Griselda Crew und viele weitere haben mich einfach nicht so umgehauen, obwohl es fast eine Liste meiner GOATs ist.
Meine Erwartungen erfüllt haben und ist mal defintiv ein reihnhören wert:
MAVI- Let the Sun Talk und Laughing so Hard, it Hurts
billy woods – Church
Wiki – Cold Cuts
Smino – Luv 4 Rent
$ilkMoney – I Don’t Give a Fuck About This Rap Shit, Imma Just Drop Until I Don’t Feel Like It Anymore
Earl Sweatshirt- SICK!
OG Keemo – Mann Beisst Hund (Kuss an Jan)
Meine Lieblingsalbum aus dem Genre gehört dieses Jahr aber für mich Quelle Chris mit Deathfame. Auch wenn es wieder mehr von dem alten bekannten Sound von Quelle Chris ist, ist es für mich das stimmigste Hip-Hop Album was dieses Jahr erschienen ist.
Wenn man sonst meinem Spotify Wrapped trauen darf, gibt es noch zwei Alben zu besprechen. Das erste ist ein Album was sich um ein Jahr verspätet in meine Bibliothek geschlichen hat, tatsächlich wegen einer Ende-des-Jahres-Empfehlung von einem Kumpel. Es handelt sich um ein Ambient-Pop Album namens Wave Your Moonlight Hat For the Snowfall Train vom kanadischem Duo You’ll Never Get to Heaven und ist gerade für die kalte Jahreszeit sehr zu empfehlen, Pink and Gold and Blue ist für mich definitv der Standout Track des Albums.
Aber ein 2021 Album mein Album des Jahres zu nennen fände ich etwas falsch. Deswegen folgt etwas widerwillig mein Favorit nun. Widerwillig weil das Album nach erstmaligen Hören es nicht in meine Rotation geschafft hat und erst nach erneutem Hinsetzen mich erst wirklich überzeugt hat, aber dann auch richtig. Aber lang um den heißen Brei geredet ist:
Ants From Up There- Black Country New Road
Ich bin mal sehr gespannt auf Euren Jahresrückblick. Vielleicht entdecke ich dann ja wieder ein Jahr verspätet eine schrumplige Bratwurst an dem Rand des Grills.