Archiv der Kategorie: Dokus

Money Can’t Buy Taste 

Neulich bin ich zufällig über die ROOMTOUR von DNER aka Felix von der Laden gestolpert, der sich nun eine „Residenz“ auf Mallorca gegönnt hat. Man könnte es kaum besser zusammenfassen: „Money Can’t Buy Taste“ in seiner reinsten Form. Es ist wirklich erstaunlich, wie der deutsche RGB-Liegewiese-Mocca-Bast-Chic, der sonst nur in den Tiefen von POCO-Hallen in Horrem zu finden ist, jetzt auch die Sonne Mallorcas verdunkelt.

Ich bin ja ein großer Fan solcher Roomtours, bei denen YouTuber Jahr für Jahr ihre persönliche Wettkampfkategorie „Wer kann mehr schlechten Geschmack für noch mehr Geld zur Schau stellen?“ perfektionieren. Er sagt es ja selbst: Ohne seine Zuschauer wäre das alles nicht möglich – genau, deshalb muss er ihnen auch unbedingt vorführen, wie scheiße alles aussieht.

Als Bonus sollte man sich wirklich auch die vorherige Roomtour reinziehen, als die Bude noch nach Ikea-Resterampe aussah. Man erkennt schnell: Der Geschmack hat sich nicht verbessert, nur das Budget.

Der Pool ist aber geil.

WRD – Cranger Kirmes

Die Doku ist nicht einmal durchgeschaut und trotzdem muss sie hier hin. Ich habe gerade eh einen Schausteller-Grind, aber das hier toppt alles. Wer nur den heißen Scheiß will, springt zu Minuten 23: beste Ton-Bild-Kombi einer WDR-Doku ever, maximal psychotisch – kann aber auch meiner Übermüdung geschuldet sein. Garniert wird diese Perle mit erlesenen Kommentaren, die Perle der subtilen Kapitalismuskritik ist dieser:

„_Die Polizei hat sich lange vorbereitet, schließlich geht es um viel: ein Anschlag oder eine Massenpanik könnten das Ende der Kirmes bedeuten.“

Pogłos // noise art documentary (2015)

extrem geile noise-video-performance aus polen, vielmehr schlesien, die verschiedene locations nutzt, um noise mit gegebenem hall der jeweiligen location zu dokumentieren. beste stelle defintiv minute 20:00 aber es lohnt sich das ganze auf voller lautstärke zu pumpen.

„The movie „Pogłos“ („Reverberation“) is an audio art documentary. It consists of five parts, each part introduces a different audio performance, that took place in one of the suburban locations in Silesia, Poland. The concerts (without public) were performed in locations of unknown status, which had an interesting natural reverberation or were able to add some context to the sounds produced on the spot. Unwanted noise, banished from the city, could reverberate loud and clear in these places. The aim of the project was to look for new contexts for marginal sounds; the five segments of the movie tell the story of man dealing with the territory. The noise made by the artists became a metaphor of human’s inferference with the environment.“

Shane MacGowan’s Leben mit den Pogues

https://www.youtube.com/watch?v=lbPhZlL1–4

Sehr gute Doku über das Leben von Pogues-Frontwrack Shane MacGowan, produziert von Johnny Depp. Erwartungsgemäß eine wirklich harte Nummer und zeitweise schwer zu verdauen, aber der Typ ist einfach eine Legende. Gibt’s leider nur mit deutscher Synchro, aber Shanes Röchel-Lachen hört man dennoch oft durch. Wer kein Problem damit hat, sich zwei Stunden lang eine komplett besoffene Legende anzuschauen und mit der IRA zu sympathisieren, GO!

Tehching Hsieh

Das hat mich komplett umgehauen. Ich weiß nicht, wie man so unfassbar hart unterwegs sein kann, aber Tehching Hsieh hat der Kunst einfach alles gegeben. Seine Werke sind immer einjährige Extrem-Perormances (gewesen), unter anderem hat er ein Jahr lang einmal die Stunde (!!!) in einer Stempeluhr abgestempelt und ein Foto aufgenommen. Zu viel spoilern will ich aber auch nicht. Abramovic hat ihn einen „Meister“ genannt, heißt in dem Game was glaube ich.

Ein Riese zieht um

Hier hat der NDR 1983 den Umzug des Braunkohlebaggers „261“ ins Bergwerk Frillendorf gefilmt. Der Tagebau liegt etwa 19 Kilometer von Lützerath entfernt, die Reise ist trotz der recht schlechten Videoqualität spannend. Hat was von der Moloch von Moers.

https://www.youtube.com/watch?v=uctyGDEOe5E&t=1570s

Adam Something

Interessanter Channel, der sich bisher vor allem mit Stadtplanung auseinandersetzt, aber auch viel anderen, sonderbaren Kram auf Lager hat („Surviving Anarcho-Capitalism“). Hier eine interessante Analyse, warum العاصمة الإدارية الجديدة / al-ʿĀṣima al-idārīya al-ǧadīda / „Die neue Verwaltungshauptstadt“ Ägyptens einfach bescheuert ist. Und das alles mit einer guten Portion Ruppigkeit.

Der Fall Birkenstock

Schon erstaunlich, dass eins der relevantesten (oder: das relevanteste?) Politikmagazine des Landes der SPIEGEL ist. Umso erstaunlicher, wenn man bemerkt, dass es so etwas wie SPIEGEL TV gibt, das mit Kommentaren und Fragen aufwartet, die man ansonsten eher im zynischen, nach unten tretenden Privatfernsehen verorten würde.

Nichtsdestotrotz strotz dieses Schmankerl der Berichterstattung vor Lines, die man sich am liebsten einrahmen lassen würde. Außerdem tatsächlich mal eine krasse Story.

Beser Moment: der Birkenstock-Werkschutz präsentiert seine Sammlung an Schlagstöcken, „ist ja schließlich auch was fürs Auge“.

Was wurde eigentlich aus Lord of the Weed?

Man mag denken, dieses Video kann einem nichts neues geben, vor allem nicht, wenn man LOTW komplett auswendig kennt, doch obacht, weit gefehlt! Dass diese erwähnenswerte Perle bundesdeutschen Feingeistes aus dem Ruhrgebiet kommt* (JA WATT DENN!), ist die Top-Erkenntnis des Videos, aber dass der MythosOfGaming-Dude es wirklich geschafft hat, ein Videointerview mit einem der Macher von LOTW zu führen, hat mir mehr Einsicht in die Geschichte dieses Meisterwerks verschafft, als ich je zu träumen gedacht, geschweige denn als nötig zu wissen erachtet habe.

*Das mag erklären, warum in anderen Regionen des Landes eine teils unschickliche Unverständis über dieses in meinem gesamten kohlepottschen Umfeld so lächerlich bekannte Stück Kulturgut existiert.

Cap auf der Couch

Als Antifaschist, Freund bunter Heftchen und in Spandex gekleidete Heroen, möchte ich auf einen Hörspielbeitrag hinweisen, der sich mit Jack Kirbys Schöpfung Captain America beschäftigt. Seine frühen Abenteuer waren ein Plädoyer für den Eintritt der USA in den WW2 im Knallbuntes Comicformat, seine Bedeutung für die Popkultur bis zum heutigen Tag ist allerdings ungebrochen.

Georg Seeßlen, Autor, Feuilletonist, Kritiker, Universalgelehrter und interessanter Typ aus der Vorblogäre, sowas wie ein Vice Redakteur der 68er (dessen Veröffentlichungen man grundsätzlich empfehlen kann) und Markus Metz haben ein anekdotenreiches Hörspielkaleidoskop zum Thema zusammengelötet, was einen tiefen Blick in das bunt colorierte amerikanische Seelenleben zulässt.

https://www.hoerspielundfeature.de/freistil-captain-america-100.html

All My Homies Hate Skrillex

Diese Doku ist zwar absolut kein Geheimtipp mehr, aber weil ich sie so oft weiterempfehle (meistens, um zu erklären, warum man Dubstep mag und was daran so cool ist), hat sie hier auch ihren Platz verdient. Ein Fan, der die Entstehung des Genres als „Hörer“ (weil damals noch knapp zu jung zum feiern gehen) fein säuberlich und natürlich mit allen Bangern des Dubstep unterfüttert aufrollt und dabei ein paar interessante Thesen aufstellt? Check. Außerdem, Leute, Burial ist auch Dubstep, also keine Angst, schließlich liebt jeder Mensch Burial.

Gründung von Schloss Cappenberg

Das Geschichtsfenster habe ich nicht geöffnet, aber ich reiß es noch ein bisschen weiter auf: Ein zehnminütiger Animationsfilm über die Gründung des Kloster Cappenberg ganz in unserer (Dortmunder) Nähe, extrem informativ für Leute, die schon immer mal wissen wollten was die Region historisch so auf dem Kasten hat. Der Film bringt die aktuelle Faktenlage, finde ich, ganz gut rüber (wenn man die manchmal sehr klischeehaften Zeichnung nicht allzu ernst nimmt).

Das Kloster Cappenberg ist auch immer nen Tagesausflug wert, den dort ausgestellten Cappenberger Kopf (früher Barbarossakopf) kennen auch Menschen, die mit dem Mittelalter nichts zu tun haben. Ich war 2019 auf ner Tagung zur Gründung des Klosters und war begeistert – die Historie ist schon irgendwo ziemlich nerdig, aber auch mega spannend.

The Beautifully Strange World of Outsider Music & The Devil and Daniel Johnston

Ich bin während des Lockdowns letzten Jahres auf dieses sehr interessante Video über Outsider Music gestoßen:

Gepackt von dem Thema und „True Love will find You in the End“ von Daniel Johnston, begab ich mich auf weitere Recherche. Dabei fand ich diese unglaubliche Doku über Daniel Johnston namens The Devil and Daniel Johnston. Mit einem Certified Fresh Rating und Audience Score von 91% bei Rotten Tomatoes, zeigt diese Doku mithilfe von extrem vielen Aufnahmen durch Daniel selbst und Zeitstimmen von u.a. Sonic Youth das Porträt eines zu tiefst gestörten Künstlers und seiner Auseinandersetzung mit sich selbst, seiner fundamental christlichen Familie, einer fanatischen Jugendliebe, dem Teufel und Casper, dem freundlichen Geist.

Leider finde ich im Internet nur eine Version mit spanischen Untertiteln, die manchmal im Weg sind, falls wer was besseres findet, HMU. Trotzdem kann ich diese Doku jedem Menschen wärmstens Empfehlen, der ein Herz für strange Musik, Grounge oder slice of life Filmen ala Slacker von Richard Linklater hat.
Hier der Link:
https://www.dailymotion.com/video/x2hv6zm

Die Letzten ihres Standes (und weitere Einschlaftipps)

Als SWR Handwerkskunst-Hooligan (wer es nicht kennt, aber beruhigende Dokus mag: es gibt wirklich wenig, bei dem man sich beim Anschauen so runterfährt, aber trotzdem was lernt – Konzept ist einfach: eine Person, die irgendwas kann, wird dabei begleitet, wie sie etwas macht. Lautsprecher, Seife, Fahrräder, immer so zwischen 15 – 30 Minuten ohne Hektik zum Produkt. Das war jetzt eine lange, mythenmetz’sche Abschweifung*) bin ich hierüber gestolpert. Hardcore kernig, strotzend vor Meme-kompatiblen Lines und tatsächlich habe ich seit der Doku richtig Bock, Kautabak zu kauen. Ping!

*Apropos Abschweifungen: Harry Rowohlt wurde mal der Paganini der Abschweifung genannt, und da hier eh schon alles sehr beruhigend ist, empfehle ich auch seine Lesung der Schatzinsel auf Spotify. Beste Vorlesestimme ever.

VOX Explained

Das ist so dermaßen kein Geheimtipp, dass ich mich fast schäme, es zu posten. Als Wikipedia- und Wusstensie’s-Aficionado verbringe ich allerdings so dermaßen viel Zeit mit Kunst-Erklärvideos oder Einführungen in irgendwelche philosophischen Theorien (von denen ich eh alles wieder vergesse), dass ich VOX als eins der Highlights herausstellen muss. Schön gemacht, gut erklärt und vor allem richtig behämmerte Themen. Kennt vermutlich jede*r, vergisst aber vielleicht jede*r zweite auch wieder. Ich bin auch ehrlich neidisch darauf, dass Menschen mit so etwas ihr Geld verdienen.

Carts of Darkness

„Carts of Darkness“ ist eine dieser Dokus, die so nah dran sind, dass es (nicht nur) fast wehtut. Murray Siple, querschnittsgelähmter ex-Extremsportler und ex-Extremsportfilmemacher, begleitet eine Gruppe Obdachloser in Vancouver, die in ihren Einkaufswagen mit 70 Sachen die Straßen runterhämmern. Bisschen traurig, selbstredend, aber vor allem, weil Murray selber einfach herbe Bock auf Shopping Cart Downhill hat (und da wird’s dann am Ende ein bisschen tränendrüsendrückend, aber hey). Sehr, sehr geile Stunde.

„On Dark Horses“ – Emma Ruth Rundle Dokumentation

Als bekennender ERR-Ultra liebe ich eh alles, was sie an Output liefert, aber diese Doku hat meine Begeisterung noch mal gepushed (neben dem Video hier bei „What’s in my Bag“ (generell herbe empfehlenswert, wenn man sich dafür interessiert, was andere Menschen hören)). Einfach eine sehr intime, kurze Doku über eine krasse Künstlerin. Sehr nice und abgefahren ist auch ihr letztes Album (nur auf Bandcamp) und natürlich die X Kollaborationen mit Mizmor, Thou, The Body …