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Der Fall Birkenstock

Schon erstaunlich, dass eins der relevantesten (oder: das relevanteste?) Politikmagazine des Landes der SPIEGEL ist. Umso erstaunlicher, wenn man bemerkt, dass es so etwas wie SPIEGEL TV gibt, das mit Kommentaren und Fragen aufwartet, die man ansonsten eher im zynischen, nach unten tretenden Privatfernsehen verorten würde.

Nichtsdestotrotz strotz dieses Schmankerl der Berichterstattung vor Lines, die man sich am liebsten einrahmen lassen würde. Außerdem tatsächlich mal eine krasse Story.

Beser Moment: der Birkenstock-Werkschutz präsentiert seine Sammlung an Schlagstöcken, „ist ja schließlich auch was fürs Auge“.

Gerhard Müller

Gerhard Müller muss nicht weiter vorgestellt werden. Internetlegende, Schlagerstar, Merchandise-Gott, Telegram-Verschwörer, Freund von Geistheiler Sanada, Erleuchteter, Nationalromantiker, Schwurbler, Romantiker, unvergessen seine Hits „Amore Amore am Lago Maggiore“ und „Kristallenergie“.

Wer richtig Bock auf kompletten Mindfuck hat, gönne sich random Videos auf seinem YouTube-Channel (die Fanpost-Vorlesungen sind göttlich), scrolle durch die Kommentare und besuche unbedingt seine Website. (Der Telegram-Channel zieht allerdings eher runter.)

Eine Stunde in der Küche von Eckart Witzigmann

https://www.youtube.com/watch?v=0uvSnE07V-0

Vorweg: Der Videotitel ist absolut irreführend. Ein Blick in die Beschreibung lohnt sich und offenbart, dass bei MultiNewsMedia scheinbar eine starke Aversion gegen Sterneküche herrscht. Sei’s drum. Die Doku ist eigentlich vom BR und aus dem Jahr 1984 und begleitet ein Abendmenü in Eckart Witzigmanns „Aubergine“ in München, fünf Jahre nachdem er mit diesem Laden als erstes Restaurant Deutschlands drei Sterne vom Guide Michelin erhalten hat (und sie 15 Jahre lang hielt, bis Witzigmann wegen eines kleinen Kokain-Malheurs die Regie an Alfons Schubeck abtreten musste).

Besonders interessant an der Doku ist zu sehen, wie enorm sich gehobene Gastronomie in den letzten Jahrzehnten gewandelt hat. Zwar ist Witzigmann Verfechter der Nouvelle Cousine (möglichst wenig Schischi, regional, einfach), dennoch sind einerseits die Präsentation (wirklich ALLES auf weißen Tellern, und dafür dass drei Leute an einem Teller fuhrwerken, bekommt man mittlerweile in den meisten Sushiläden spannender angerichtete Gerichte) und andererseits die Menüfolge aus heutiger Sicht ziemlich uninspiriert (Birnen in Rotweinsauce, Taubenbrust auf Salat, alles schön und gut, aber doch auch wenig überraschend). Fernab davon, dass es absolut unbegreiflich ist, wie man bei den wirklich wohlwollend bemessenen Portionen 13 Gänge schaffen soll.

Bonuspunkte für die Geräuschkulisse.

Worble III

Skatevideos, eigentlich immer nett. Das hier ist nicht nur nett, sondern auch sonderbar. Ist es ein Skatefilm? Ist es ein Musikvideo? Niemand weiß es so recht. Zwischen sehr hübsch geschnittenen Szenen mit mal mehr, mal weniger spektakulären Tricks tauchen im kompletten 80s-Look Aufnahmen der Band „Cobra Man“ auf, die den Soundtrack beisteuert (oder eben andersrum) … nun ja, mehr nach 80er aussieht, als die 80er selbst. Macht Laune, kann man gut gucken.

Was wurde eigentlich aus Lord of the Weed?

Man mag denken, dieses Video kann einem nichts neues geben, vor allem nicht, wenn man LOTW komplett auswendig kennt, doch obacht, weit gefehlt! Dass diese erwähnenswerte Perle bundesdeutschen Feingeistes aus dem Ruhrgebiet kommt* (JA WATT DENN!), ist die Top-Erkenntnis des Videos, aber dass der MythosOfGaming-Dude es wirklich geschafft hat, ein Videointerview mit einem der Macher von LOTW zu führen, hat mir mehr Einsicht in die Geschichte dieses Meisterwerks verschafft, als ich je zu träumen gedacht, geschweige denn als nötig zu wissen erachtet habe.

*Das mag erklären, warum in anderen Regionen des Landes eine teils unschickliche Unverständis über dieses in meinem gesamten kohlepottschen Umfeld so lächerlich bekannte Stück Kulturgut existiert.

Brave Wilderness

Zugegeben, das Format „Mensch fügt sich Schaden zu, andere schauen zu“ ist kein besonders innovatives. Allerdings hat niemand, der Jackass 1 gesehen hat darauf verzichtet, sich die (qualitativ schwankenden) Fortsetzungen reinzupfeffern. Hier allerdings, in Jordan Petersons‘ Stingzone, werden die Opfer am eigenen Leib dem Wohle der Wissenschaft feilgeboten. Abgesehen vom rein sachlich interessanten Aspekt, dass ein Typ sich von gefühlt jedem giftigen Insekt (und später auch anderen Tieren) des Planeten stechen oder beißen lässt und dies filmen lässt, lernt man auf dem Channel dieses wagemutigen Gesellen einiges über die Tierwelt.

Die perfekte Mischung aus BBC Naturdokus und Dashcam-Footage. 10/10

AD Open Door

Wer ebenso wie ich auf der Jagd nach architekturbezogenem und gleichermaßen bubatzkompatiblen Content ist (oder auch nur ein Mal in seinem Leben „Architecure“ in die Suchmaschine gehämmert hat, AD ist ungefähr so ein Geheimtipp wie der Rolling Stone – aber weniger dröge), landet zwangsläufig auf Architectural Digest. „Open Door“ ist einerseits eine herrlich unaufgeregte Version von MTV Cribs, andererseits Beweis dafür, dass Millionen auf dem Konto in 50% der Fälle die Bahn für vollendete Geschmacksverirrungen ebnen (überraschenderweise liegt Cheryl Crow da sehr weit vorne). Weil wir so mega zeitgeist (get well soon tho) unterwegs sind, hier aber das famose, herzerwärmende und einfach heftig coole Video mit Cara Delevingne, die einfach mal einen Vulvatunnel in ihr Haus hat hämmern lassen. Auch nicht alles schick, aber nice to watch.

Generell ist der Channel sehr empfehlenswert, viel geiler Content zu allem möglichen architekturbezogenen Kram.

All My Homies Hate Skrillex

Diese Doku ist zwar absolut kein Geheimtipp mehr, aber weil ich sie so oft weiterempfehle (meistens, um zu erklären, warum man Dubstep mag und was daran so cool ist), hat sie hier auch ihren Platz verdient. Ein Fan, der die Entstehung des Genres als „Hörer“ (weil damals noch knapp zu jung zum feiern gehen) fein säuberlich und natürlich mit allen Bangern des Dubstep unterfüttert aufrollt und dabei ein paar interessante Thesen aufstellt? Check. Außerdem, Leute, Burial ist auch Dubstep, also keine Angst, schließlich liebt jeder Mensch Burial.

Endlich wieder Trap House Kitchen

Als erklärter M-Beezy-Ultra – der Boy hat es einfach gemaked, von 1 verlachten Kunstfigur zu 1 legit Dude im Rap-Game zu getten – und als Foodfan bin ich natürlich hyped AF, wenn eine neue Episode der legendären Trap House Kitchen dropped. Wie immer sind die cooking skills am been, man getted den appetite; ich würde kritisieren, dass die Fries nach dem Chicken für 4 Minuten gefinished werden und dadurch die heat in beiden parts des dishes nicht consistent ist, aber es sieht trotzdem tasty aus und wie jeder weiß, kann der No-Plug wirklich cooken (siehe u. A. hier). WE LIT!

Geschichtsfenster

Reactionvideos sind tot, lang lebe das Reactionvideo. Scheißt auf „My Grandpa reacting to 2 Girls, 1 Cup“ (hehe, Fäkalwitz), ich hänge jetzt nicht nur noch bei den famosen Held der Steine-Videos*, sondern bei Geschichtsfenster rum. Historiker reagiert auf Harald Lesch, Welt der Wunder und sonstiges und hat auch fernab davon sehr, sehr interessanten, spezifischen (vorrangig Mittelalter-) Content. Ich bin tbh schockiert, dass dieses Video 45 Minuten geht, ich es aber „mal eben nebenher“ zur Abendlunte geschaut habe.

*Wie es sich gehört, eine Fußnote: der Held der Steine hat nicht nur wegen seines obskuren Logo-Kampfes mit der Firma LEGO (sehr interessanter Fall, scheißt auf diese Drecksfirma – aaaaber: schöne Sets kommen dennoch manchmal) auf linksradikalen Memeseiten eine kurze Welle der Lobhudelei erfahren, sondern teilt auch sonst (die Antikapitalisten freuen sich über dieses Fünkchen aufkeimender Opposition) sehr fein gegen die schmierigen Geschäftsmodelle einer der Firmen aus, deren Ware er veräußert und liefert vermutlich die ehrlichsten und ehrbarsten Produktrezensionen im ganzen Internet.

Gnod

Seit Jahren verfolgen mich Gnod, ohne dass ich sie selber richtig verfolgt habe. Das liegt vor allem an meinem sonderbar erzogenen Spotify-Algorithmus, der mir Gnod fast jede Woche in den Mix der Woche wirft. Das ist mir aber erst nach einer Weile aufgefallen, weil Gnod wirklich jedes Mal anders klingen.

Die Band ist ein ständig durchrotierendes Musik-Kollektiv, zumindest der Sänger und ein paar andere Leute sind aber wohl jedes Mal dabei. Von super freundlichem 2010er-Loop-Psych und ätherischem Spacerock auf Gnod Drop Out With White Hills (zusammen mit, überraschung, White Hills) schnodderte sich die Band über ein ähnlich psychedelisches, aber weit kratzigeres Nachfolgealbum hin zu einem elektronischerem, teils Industrial-inspirierten Sound auf „Infonity Machines“ (es gibt sogar einen Boiler Room-Mitschnitt ohne klassische Instrumente), nur um dann in die übellriechende Pfütze aus Angepisstheit („Mirror“, viel Noiserock, recht Idles-verwandt, 2016) zu schlittern, aus denen ich die Band das erste Mal bewusst gefischt habe. Um darauf folgend ein 90s-Noiserockalbum (JUST SAY NO TO THE PSYCHO RIGHT-WING CAPITALIST FASCIST INDUSTRIAL DEATH MACHINE) mit gleichbleibender Wut, aber catchy Hooks und einem Funken Optimismus rauszuhauen.

Ein paar Sachen bleiben jedoch immer ähnlich: Dringlicher Gesang, viel Repetition, viel Abwechslung. Ich empfehle wirklich ausdrücklich, durch ein paar Alben zu skippen, denn so richtig erklärt kriegt man das hier alles nicht. Hier dann eine sehr Garage-lastige Bock-auf-Abriss-Nummer:

Barbie Jeep Downhill

Oh man, hatten wir während der Lockdowns viel Zeit. Zeit, die gut und gewinnbringend genutzt gehörte: Nach einer etwas ausufernden Begeisterung für Videos von Underground-Streetfights* und GoPro-Aufnahmen von Modellbahn-Lokmitfahrten bin ich direkt von Führerstand eines gepflegten ICE (Märklin, H0) in texanische Mudholes gestolpert. Nachdem ich mein Umfeld verwirrt wahrgenommen und etwas später verarbeitet hatte (Quads in Schlammlöchern, Partyaufnahmen mit obskuren Interviews, Truckpulling, das Gefühl, mehr dabei zu sein, als es sich für Außenstehende gehört) wurde ich von einer Gruppe selbsterklärter Rednecks aufgenommen, bekam ein Bud Light in die Pranke gerückt und wurde in die Welt des Barbie Jeep Racing eingeführt.

Man könnte jetzt alles auf Corona schieben (nur Spazieren, viel rumsitzen), aber da ich auch jetzt keinen Extremsport mache und nicht mal Bock darauf habe, hat die unverblümte Ehrlichkeit dieser ganzen Szene echt was in mir berührt. Teilweise haben die Rennen etwas von einem Initiationsrithus, alles sind irgendwie Gewinner und scheinen sich echt als Familie zu fühlen. Fernab davon sind die Rennen einfach richtig nice und unterhaltsam. Gut zum nebenher Sludge pumpen („God Luck and Good Speed“ von Weedeater ist abseits des großartigen Titel-Wortspiels ein perfect match).

*Ich empfehle K.O.T.S. auf YouTube – krass gefilmt, verstörend stumpfes Männlichkeitsgehabe, aber beeindruckend – beeindruckend stumpf, ja, aber dennoch heftig spannend und interessant, wie weit Menschen einzustecken bereit sind. Leider sind etliche Streetfighter in rechten cirklejerks aktive, gruselige Leute.

Die Letzten ihres Standes (und weitere Einschlaftipps)

Als SWR Handwerkskunst-Hooligan (wer es nicht kennt, aber beruhigende Dokus mag: es gibt wirklich wenig, bei dem man sich beim Anschauen so runterfährt, aber trotzdem was lernt – Konzept ist einfach: eine Person, die irgendwas kann, wird dabei begleitet, wie sie etwas macht. Lautsprecher, Seife, Fahrräder, immer so zwischen 15 – 30 Minuten ohne Hektik zum Produkt. Das war jetzt eine lange, mythenmetz’sche Abschweifung*) bin ich hierüber gestolpert. Hardcore kernig, strotzend vor Meme-kompatiblen Lines und tatsächlich habe ich seit der Doku richtig Bock, Kautabak zu kauen. Ping!

*Apropos Abschweifungen: Harry Rowohlt wurde mal der Paganini der Abschweifung genannt, und da hier eh schon alles sehr beruhigend ist, empfehle ich auch seine Lesung der Schatzinsel auf Spotify. Beste Vorlesestimme ever.

PJ Harvey – „Rid of Me“

Durch Peaky Blinders* bin ich dazu gekommen, wieder mehr PJ Harvey zu hören (passend zum Zeitgeschehen: 2013 hat Polly Jean Harvey von Queen Elisabeth II den OBE, also den Most Excellent Order of the British Empire verliehen bekommen). So richtig kommt man an PJ Harvey eigentlich eh nicht vorbei, wenn man sich für Rockmusik interessiert, Beziehung mit Nick Cave, Zusammenarbeiten mit Mark Lanegan (auf der hart geilen „Bubblegum“, einfach ein über-Post-Grunge-Album (gibt es das?)), Josh Homme / Desert Sessions, Tricky … nevermind. Hier liefert sie vor etlichen tausend Leuten auf dem BDO einfach mal den Opener ihres gleichnamigen (SEHR guten!, die Produktion ist super mächtig) Albums solo ab. Im Original kracht es zwar eh nur eruptionsmäßig zwischendurch und gen Ende, aber dass sie da alleine steht, gibt dem ganzen noch mehr Dringlichkeit. Die ist aber eh überall drin. Naja, PJ appreciation post.

*Macht schon Laune. Sehr geil ist vor allem der Soundtrack, da sind noch etliche Banger neben PJ Harveys „Down by the Water“ zu finden.

DJ VLK – Ballermann Partykeller

Durch einen abstoßenden Vorschlag auf YouTube (den hier, fick dich, Algorithmus, und fick dich, Deutschland) ist mir wieder eingefallen, dass der Ballermann in den Brandungen des biergetränkten Bodensatzes kultureller Entgleisungen nicht nur DIE JUNGS geformt, sondern auch dieses Epos von einem DJ-Mix geboren hat. Eine Stunde echte Gefühle und ein Gefühl der kosmischen Verbundenheit und inneren Einkehr, wie man es als Jack & Jones rockender Vorort-Tobias sonst nur erlebt, wenn man nach Stunden stämmigen Kampftrinkens in der prallen Sonne auf der Schinkenstraße „Layla“ singt und plötzlich aus allen Ecken in den Gesang eingestimmt wird … das ist Gemeinschaft. Auf zur „Ich-Auflösung im Bierkönig“.

VOX Explained

Das ist so dermaßen kein Geheimtipp, dass ich mich fast schäme, es zu posten. Als Wikipedia- und Wusstensie’s-Aficionado verbringe ich allerdings so dermaßen viel Zeit mit Kunst-Erklärvideos oder Einführungen in irgendwelche philosophischen Theorien (von denen ich eh alles wieder vergesse), dass ich VOX als eins der Highlights herausstellen muss. Schön gemacht, gut erklärt und vor allem richtig behämmerte Themen. Kennt vermutlich jede*r, vergisst aber vielleicht jede*r zweite auch wieder. Ich bin auch ehrlich neidisch darauf, dass Menschen mit so etwas ihr Geld verdienen.

Carts of Darkness

„Carts of Darkness“ ist eine dieser Dokus, die so nah dran sind, dass es (nicht nur) fast wehtut. Murray Siple, querschnittsgelähmter ex-Extremsportler und ex-Extremsportfilmemacher, begleitet eine Gruppe Obdachloser in Vancouver, die in ihren Einkaufswagen mit 70 Sachen die Straßen runterhämmern. Bisschen traurig, selbstredend, aber vor allem, weil Murray selber einfach herbe Bock auf Shopping Cart Downhill hat (und da wird’s dann am Ende ein bisschen tränendrüsendrückend, aber hey). Sehr, sehr geile Stunde.

Lamb

Einer der geilsten kontemporären Filme, die ich in letzter Zeit gesehen habe. Super weird, super langsam, super gefilmt und gespielt. Kein Gutelaunefilm, aber auch nicht so drückend, wie man es erwarten könnte. Passt gut ins A24-Portfolio (Lighthouse, Leute, Lighthouse!). P.S.:Lest euch nicht durch, worum es geht. Kickt dann noch mal anders.

„On Dark Horses“ – Emma Ruth Rundle Dokumentation

Als bekennender ERR-Ultra liebe ich eh alles, was sie an Output liefert, aber diese Doku hat meine Begeisterung noch mal gepushed (neben dem Video hier bei „What’s in my Bag“ (generell herbe empfehlenswert, wenn man sich dafür interessiert, was andere Menschen hören)). Einfach eine sehr intime, kurze Doku über eine krasse Künstlerin. Sehr nice und abgefahren ist auch ihr letztes Album (nur auf Bandcamp) und natürlich die X Kollaborationen mit Mizmor, Thou, The Body …