Neulich bin ich zufällig über die ROOMTOUR von DNER aka Felix von der Laden gestolpert, der sich nun eine „Residenz“ auf Mallorca gegönnt hat. Man könnte es kaum besser zusammenfassen: „Money Can’t Buy Taste“ in seiner reinsten Form. Es ist wirklich erstaunlich, wie der deutsche RGB-Liegewiese-Mocca-Bast-Chic, der sonst nur in den Tiefen von POCO-Hallen in Horrem zu finden ist, jetzt auch die Sonne Mallorcas verdunkelt.
Ich bin ja ein großer Fan solcher Roomtours, bei denen YouTuber Jahr für Jahr ihre persönliche Wettkampfkategorie „Wer kann mehr schlechten Geschmack für noch mehr Geld zur Schau stellen?“ perfektionieren. Er sagt es ja selbst: Ohne seine Zuschauer wäre das alles nicht möglich – genau, deshalb muss er ihnen auch unbedingt vorführen, wie scheiße alles aussieht.
Als Bonus sollte man sich wirklich auch die vorherige Roomtour reinziehen, als die Bude noch nach Ikea-Resterampe aussah. Man erkennt schnell: Der Geschmack hat sich nicht verbessert, nur das Budget.
Meistens sind Gongs ja völlig aufgeladen mit Esokrams, heilenden Frequenzen, New Age Minimalismus usw… jedenfalls aus westlicher Sicht. Rhys Chathams „Two Gongs“ ist aber so verrauscht, dass es viel mehr Drone-Noise ist.
Die Platte hier hat Jamie Stewart von Xiu Xiu in seinem White-Centipede-Noise Interview als eine seiner 5 besten Noise Platten genannt (zugegeben sehr obskure Auswahl, die er da trifft).
p.s. ich habe neulich thomas canna in köln performen gesehen, der sowas ähnliches mit nem becken auf ner snare gemacht hat. war auch geil.
ich habe gesehen, dass hier eigentlich immer best of’s zum jahresende gepostet werden. spät dran, aber dann auch wieder früh – hier meine fav alben der letzten monde:
(alle alben sind mit nem bandcamp link hinterlegt, das einbetten hab ich nicht hingekriegt, aber sollte so auch etwas einfacher sein…)
XIU XIU – Ignore Grief als xiu xiu fan mit liebe zu den eher obskuren und wilden tracks, war dieses album ein voller treffer für mich. die düstere atmosphäre, die sich in so vielen stillen, als auch absurd chaotischen momenten ausbreitet, gibt dieser platte einen soundtrack… oder doch vielmehr hörspiel charakter.
Sprain – The Lamb as Effigy relativ spät erst entdeckt und seitdem auf dauerschleife. ein wilder mix von shoegaze, black metal, post rock, jamie stewart vibrato und generellem hang zur experimenten. ein sehr langes album und anders als zb sowas wie swans etwas sperriger und bedarf ziemliche konzentration, damit es nicht zur hintergrundmusik wird. mich hat die platte überzeugt, als der sänger an einer stelle die vierte wand durchbricht (sagt man das auch bei musik?) und ich einfach nur meinen kopf geschüttelt hab vor verwunderung haha.
SWANS – The Beggar eine platte, die ich erstmal als best of swans bzw sowas wie eine retrospektive gedeutet habe, weil die musik so vertraut klang und ich zu der gleichen zeit nichts anderes außer swans hörte… erst „The Beggar Lover (Three)“ und schließlich das konzert in bochum, haben es mich absolut lieben lassen.
Khanate – to be cruel meine erste berührung mit khanate und ein gateway in eine wunderbare diskographie. to be cruel ist da anders, viel langsamer, viel leerer… offener und dann doch irgendwie endlos
UAN0030 – ST was soll man noch so einer person sagen, die ein label betreibt und allen käuferinnen und käufern persönlichen dank per email schickt und sich da sogar merkt, wer man ist. so eine menschliche interaktion im kosmos vom digitalmusikvertrieb… absurd! auf dem UAN label kommen richtig fette techno-experimente raus. absoluter fav ist ein track, der einfach nur das wechseln von delay programmen in irgendeinem pedal ist und dadurch voll geil klingt.
Shapednoise – Absurd Matter meine schnittstelle von noise und dance music… als aesthesis 2019 rauskam und ich ihn auch auf dem atonal gesehen habe, dachte ich, es wird nichts besseres mehr geben als diese art der musik. an aesthesis kommt bisher auch nichts dran haha, dennoch: bei absurd matter ist shapednoise sich treu geblieben und taucht noch tiefer an die hip hop wurzeln, was dann zu solchen bangern wie dem track mit armand hammer führt… puh.
Morgan Garrett – Extreme Fantasy dada amateur gedudel auf so einer art, die nicht zu nervig wird haha. man stelle sich singer songwriter in der straßenbahn vor, die alles andere als anerkennung wollen. so vielleicht.
Hugo Esquinca & Russell Haswell – Terrarium hier war ich mir erstmal nicht sicher, ob’s auf die liste soll, aber dann hab ich nochmal reingehört und es ist einfach geiler trockener furz-noise. legendär.
Death Kneel – Dawn Simulation extrem geiler harsh noise und ambient mix, in so einer wundervoll definierten kompositionsart, dass es schon fast blasphemisch sein sollte.
The White Mare – Earth is a Prison so eine mischung aus dem, was ich über das xiu xiu album gesagt habe, nur nicht ganz so fein und vielmehr in die richtung, die ich bei morgan garrett angedeutet habe. genaue schnittmenge. bisschen edgy aber lustig, weil australischer dialekt.
Exote – Buried & Forgotten italienischer harsh noise. sehr guter klang, ziemlich brutal… das was man so erwartet. sehr klassisch, aber stark.
Full of Hell / Nothing – When No Birds Sang so ne nummer, die ich letztlich doch auf die liste packe. ich hab mich bei dieser mischung aus grindcore und shoegaze erst gesträubt, aber mit der zeit ist die platte dann doch zu einem album geworden, das ich regelmäßig anspiele. (minuspunkt für sehr hässliches, generisches albumcover)
und als bonus noch meine lieblingskonzerte dieses jahr. guten rutsch!
S&S ist für mich einer der facettenreichsten Künstler im Bereich Noise / Hard Electronics. Er spielt mit allem herum und hat einen Softspot für Miami Bass. Teilweise bestehen seine Tracks aus geloopten Parts aus anderen bekannten elektronischen Tracks… es ist bisschen so wie Plunderphonics, nur verspulter. Ich hör persönlich seine akustischen Sachen lieber, weil ich das Trommeln so mag und es auch heftig ist für 40min den gleichen Rhythmus zu halten. Anscheinend funktioniert das am besten, wenn man mit mehreren Drummern gleichzeitig spielt. Legende besagt, dass er an einem Punkt mit 13 Drummern performte ….
Phase Corrected (Doom / Noise Rock?) auch ne geile Scheibe und dann noch Teardrops (Noisecore)!!!
… hier jedenfalls ne geile Performance mit (nur) 4 Drummern.
Für Freunde des Experimentalfilms, der österreichischen Avantgarde, Noise, Sound generell und alle, die einen faible für Western haben. Peter Tscherkassky kennt man vielleicht durch „Outer Space“. Ist mir jedenfalls vor einigen Jahren mal zugeflogen und ich war so begeistert, weil ich so etwas bis dahin noch nie gesehen habe. Diese extreme Art Filme zu (zer)schneiden und neuzumontieren und dabei die Soundebene so sehr in etwas neues zu quetschen, ist einfach hammer. Jedenfalls hat mir gestern ein Freund genau diesen Film von ihm ans Herz gelegt.
Ichsachmaso… Ich habe lange Zeit meine Motivation zum Filmemachen an den Nagel gehangen, aber nach der Nummer hier, fühle ich mich wieder motiviert…
Wer schon immer wissen wollte, wie (in)kohärent das Cars Universum mit seiner eigenen Logik und Anatomie umgeht, der kann diese Analyse hier schauen und sich fragen: sollte der Mensch sich von seinem analytischem Denken entfernen, zurück in die Höhlen kehren, in Kühe beißen und einfach wieder Lobotomie praktizieren, um Dinge einfach so hinzunehmen, wie sie sind… oder….
Weiß ich selber nicht. Jedenfalls fließt hier sehr viel Hingabe zum Nonsens und das ist immer einen Post wert. (leider darf man das video nicht einbetten, deshalb nur der Link)
eine sache, die ich letztes jahr gelernt habe – narcos corridos.
corridos werden im norden von mexiko gesungen (im süden ist es dann mariachi). narco corridos ist dementsprechend traditionelle mexikanische musik aus dem norden, die geschichten der narcos, also den drogenkriegen, kartellen usw. erzählen. das faszinierendste für mich dabei ist, dass diese musik für unsere mitteleuropäischen ohren ganz klar nach polka-/alpen-/alm-musik klingt, dort aber für eine andere tradition steht und die narcos zu dieser musik über drogen, gewalt, tod, mord, krieg singen, in panzerwesten, streetwear, maschinengewehren etc. … das ist schon ne ziemliche klang-bild-schere.
soviel zur geschichte. was ich aber am krasseten finde ist, dass die jugend sich da jetzt mitziehen lässt und ihren sadboy-emo-grind nicht unter trap beats nuscheln, sondern unter akustik gedudel.
xanax, fette karren und leichtbekleidete frauen gehen scheinbar auch gut mit tuba und quetschkommode.
rockstar lifestyle
skrr
hier dann ein klassische narco corrido, eher olschool
atonale musik und meta-surrealismus. christou hat oft mehr mit menschlichen geräuschen (schreien, stöhnen, atmen) gearbeitet und das mit tapes usw gemischt. daraus kommt totales chaos, fast schon noise. einer meiner lieblings-komponisten aus der zeit definitiv.
ist dann relativ früh einen james dean tod gestorben.
seine musiknotationen sind auch richtig fett. mehr schon comics.
extrem geile noise-video-performance aus polen, vielmehr schlesien, die verschiedene locations nutzt, um noise mit gegebenem hall der jeweiligen location zu dokumentieren. beste stelle defintiv minute 20:00 aber es lohnt sich das ganze auf voller lautstärke zu pumpen.
„The movie „Pogłos“ („Reverberation“) is an audio art documentary. It consists of five parts, each part introduces a different audio performance, that took place in one of the suburban locations in Silesia, Poland. The concerts (without public) were performed in locations of unknown status, which had an interesting natural reverberation or were able to add some context to the sounds produced on the spot. Unwanted noise, banished from the city, could reverberate loud and clear in these places. The aim of the project was to look for new contexts for marginal sounds; the five segments of the movie tell the story of man dealing with the territory. The noise made by the artists became a metaphor of human’s inferference with the environment.“
ganz geile compilation verschiedener noise-musiker, die steine genutzt haben, um musik zu machen. gute mischung aus scrap noise, musique concrete und harsh noise.
„Here 15 artists have been invited to offer their take on the concept of Stone. The results are a mixed bag of interpretations, where some focus on the physicality and the sonic possibilities inherent in this ground material: scrapings, grinding, and rumbles. Yet others have taken a more reflective approach, where existentialist track titles evoke the hardships of mining, and the barren wastelands of such regions.“