Archiv der Kategorie: Kunst

geiler Gong

Meistens sind Gongs ja völlig aufgeladen mit Esokrams, heilenden Frequenzen, New Age Minimalismus usw… jedenfalls aus westlicher Sicht. Rhys Chathams „Two Gongs“ ist aber so verrauscht, dass es viel mehr Drone-Noise ist.

Die Platte hier hat Jamie Stewart von Xiu Xiu in seinem White-Centipede-Noise Interview als eine seiner 5 besten Noise Platten genannt (zugegeben sehr obskure Auswahl, die er da trifft).

p.s. ich habe neulich thomas canna in köln performen gesehen, der sowas ähnliches mit nem becken auf ner snare gemacht hat. war auch geil.

Die Vroni aus Kawasaki

Vor langer Zeit habe ich mal in der Uni eine Facharbeit zum Thema Synchronisation und Dialekten und Akzenten geschrieben. Es ging darum, wie Akzente benutzt werden, um Charaktere oft einfach und billig mit Vorurteilen zu kennzeichnen, damit man das Publikum ganz einfach weiß, wer der Böse ist.

In der Serie Die Vroni aus Kawasaki ist das nicht ganz so einfach. Es handelt sich einfach um eine japanische Soap die einfach ins Bayrische und Österreichische synchronisiert wurde, was mir jeglicher Analyse entweicht. Mit Man spricht Deutsch Legenden Gerhard Polt und Gisela Schneeberger sowie Christian Tramitz als Synchronsprecher lohnt es sich auf jeden Fall mal für die Absurdität reinzugucken.

https://www.servustv.com/unterhaltung/v/aahl5e3a7113lfkeetz2/

Instructions for a Light & Sound Machine (Peter Tscherkassky, 2005)

Für Freunde des Experimentalfilms, der österreichischen Avantgarde, Noise, Sound generell und alle, die einen faible für Western haben. Peter Tscherkassky kennt man vielleicht durch „Outer Space“. Ist mir jedenfalls vor einigen Jahren mal zugeflogen und ich war so begeistert, weil ich so etwas bis dahin noch nie gesehen habe. Diese extreme Art Filme zu (zer)schneiden und neuzumontieren und dabei die Soundebene so sehr in etwas neues zu quetschen, ist einfach hammer. Jedenfalls hat mir gestern ein Freund genau diesen Film von ihm ans Herz gelegt.

Ichsachmaso…
Ich habe lange Zeit meine Motivation zum Filmemachen an den Nagel gehangen, aber nach der Nummer hier, fühle ich mich wieder motiviert…

Enjoy.

„Lucifer Rising“

Absolute Wucht. Ein obskurer Kunstfilm, dessen Soundtrack irgendwie auch aus Sessionresten von Pink Floyd bestehen könnte. Musik super, Bilder irrsinnig und psychedelisch, mystisch, fesch.

Ich empfehle, Regisseur Kenneth Anger (weirdes Interview mit Roger Willemsen hier) zu googlen und sich außerdem „Scorpio Rising“ anzusehen, der quasi das filmische Pendant zum Cover von „White Light, White Heat“ von Velvet Underground ist. Meine Letterboxd-Review:

I don’t really what to say. Visually stunning, but it didn’t really get me, then I went to bed and woke up with diffuse of memories about having a good time with a bunch of guys dressed in leather. I am confused and filled with Anger in a weird way.

Wenn wer auf letterboxd ist, added mich mal.

John Duncan – RAGE ROOM

Über Instagram bin ich auf diese Performace gestoßen und es hat wieder mal etwas mit mir gemacht. John Duncan ist offensichtlich Künstler mit Hang zum Eskalativen und rastet in diesem Rage Room komplett aus. Der Sound ist NÜSSE. Wie alle große Kunst nicht jugendfrei, aber eigentlich sieht man nur einen Altherrenschniedel.

„Full scale version of the center module for the Dream House, a seven story structure of 495 shipping containers assembled in the shape of the human brain. Included in John Duncan solo exhibition at Nicodim Gallery, Los Angeles.“

Jani Christou: Mysterion (1965/1966)

atonale musik und meta-surrealismus. christou hat oft mehr mit menschlichen geräuschen (schreien, stöhnen, atmen) gearbeitet und das mit tapes usw gemischt. daraus kommt totales chaos, fast schon noise. einer meiner lieblings-komponisten aus der zeit definitiv.

ist dann relativ früh einen james dean tod gestorben.



seine musiknotationen sind auch richtig fett. mehr schon comics.

Pogłos // noise art documentary (2015)

extrem geile noise-video-performance aus polen, vielmehr schlesien, die verschiedene locations nutzt, um noise mit gegebenem hall der jeweiligen location zu dokumentieren. beste stelle defintiv minute 20:00 aber es lohnt sich das ganze auf voller lautstärke zu pumpen.

„The movie „Pogłos“ („Reverberation“) is an audio art documentary. It consists of five parts, each part introduces a different audio performance, that took place in one of the suburban locations in Silesia, Poland. The concerts (without public) were performed in locations of unknown status, which had an interesting natural reverberation or were able to add some context to the sounds produced on the spot. Unwanted noise, banished from the city, could reverberate loud and clear in these places. The aim of the project was to look for new contexts for marginal sounds; the five segments of the movie tell the story of man dealing with the territory. The noise made by the artists became a metaphor of human’s inferference with the environment.“

Stein: Interpretationen Eines Geologischen Materials Und Seiner Symbolik (2013)

ganz geile compilation verschiedener noise-musiker, die steine genutzt haben, um musik zu machen. gute mischung aus scrap noise, musique concrete und harsh noise.

„Here 15 artists have been invited to offer their take on the concept of Stone. The results are a mixed bag of interpretations, where some focus on the physicality and the sonic possibilities inherent in this ground material: scrapings, grinding, and rumbles. Yet others have taken a more reflective approach, where existentialist track titles evoke the hardships of mining, and the barren wastelands of such regions.“

BESTIA PIGRA

Vor Jahren ist diese Schauspielcrew (theaterart Berlin) in irgendeiner Doku über Techno und die Wende in Berlin erwähnt worden und klar, ich habe es gegoogelt. Irgendwie landete ich dann bei diesen 19 Minuten wilder Performance. Fühlt sich an, als hätten Cronenberg und Pasolini ein Hieronymus Bosch-Bild einer postapokalyptischen Mad Max-Fetischparty gedreht, absulter Vibe.

Spoiler: Die Mucke ist wirklich übertrieben Scheiße, hab dazu „knife through the spine“ von himukalt gepumpt. (Danke an Dennis für die Empfehlung.)

Meshes of the Afternoon

Manchmal, wenn man sich tagsüber nur kurz hinlegt und das Fenster auf Kipp ist und man so komisch wegdöst, passieren komische Dinge im Kopf. Ziemlich genau so fühlt sich dieser tonlose, schnittig kurze 15-Minüter an. Ich habe das Gefühl, dass man den Film noch 5 Mal gucken kann, dann auch mit passender Musikbegleitung (müsste man sich durchprobieren; was super geht, ist allerdings „Nosferatu“ (in der Urversion, sorry, Werner) zusammen mit „Dopesmoker“ von Sleep, empfehle ich) – und man würde trotzdem nichts so richtig verstehen. Irgendwo zwischen „Ein Andalusischer Hund“ und Jodorowski.

Hat mir der hochgeschätzte Filmprofessor Dr. Enko Landmann geschickt (warum auch immer er das hier nicht gepostet hat), gute Empfehlung. Glaube ich.

Tehching Hsieh

Das hat mich komplett umgehauen. Ich weiß nicht, wie man so unfassbar hart unterwegs sein kann, aber Tehching Hsieh hat der Kunst einfach alles gegeben. Seine Werke sind immer einjährige Extrem-Perormances (gewesen), unter anderem hat er ein Jahr lang einmal die Stunde (!!!) in einer Stempeluhr abgestempelt und ein Foto aufgenommen. Zu viel spoilern will ich aber auch nicht. Abramovic hat ihn einen „Meister“ genannt, heißt in dem Game was glaube ich.

Jeremy Fragrance bei Sky Sport

Mega geiles Interview, für mich instant auf einer Stufe mit dem Money Boy-Joiz-Interview und dem Yung Hurn Festival-Interview. Schon ziemlich lustig und man merkt ihm seine Intelligenz auch an, nur halt vermischt mit Wahnsinn, platten Aussagen über Frauen und Kindlichkeit. Jeremy Fragrance ist schon die geilste Persönlichkeit aktuell – mal gucken wie lange noch, seine Aussagen sind halt auch immer kurz davor die Cringe-Schwelle unwiderruflich zu überschreiten und er tritt garantiert irgendwann in ein krasses Fettnäppchen. Bis dahin bin ich ehrlich froh, dass es seinem Bruder jetzt gut geht.

Beton, mehr als Fassade.

Die Renaissance des robusten, schönen und nachhaltigen Materials hält nun schon einige Zeit an. Neigt der junge Mensch zur Geisteswissenschaft, Kreativität oder Schabernack, gibt es sie, die freudvollen verborgene Inseln aus Sichtbeton. Bei der Lehrveranstaltung der Abteilung Bautechnologie an der Fachhochschule Dortmund arbeitet der Absolvent und die Absolventin an wundervollen Betonreliefs. Man kann sich auf dem Betoncampus förmlich verlieren. Viel zu sehen gibt es auch auf Beton.org, ich zum Beispiel habe mich in ein Gebäude aus anthrazitfarbenem Dämmbeton verliebt. Dort will ich ihn verleben, den Herbst meines Lebens, als in die Tage gekommener Bondgegner mit zwei reinrassigen Afghanen und Cognacschwenker vor überdimensionierter, indirekt beleuchteter Weltkarte.

Cap auf der Couch

Als Antifaschist, Freund bunter Heftchen und in Spandex gekleidete Heroen, möchte ich auf einen Hörspielbeitrag hinweisen, der sich mit Jack Kirbys Schöpfung Captain America beschäftigt. Seine frühen Abenteuer waren ein Plädoyer für den Eintritt der USA in den WW2 im Knallbuntes Comicformat, seine Bedeutung für die Popkultur bis zum heutigen Tag ist allerdings ungebrochen.

Georg Seeßlen, Autor, Feuilletonist, Kritiker, Universalgelehrter und interessanter Typ aus der Vorblogäre, sowas wie ein Vice Redakteur der 68er (dessen Veröffentlichungen man grundsätzlich empfehlen kann) und Markus Metz haben ein anekdotenreiches Hörspielkaleidoskop zum Thema zusammengelötet, was einen tiefen Blick in das bunt colorierte amerikanische Seelenleben zulässt.

https://www.hoerspielundfeature.de/freistil-captain-america-100.html

Die 50 besten Menschen

Luksan Wunder ist so n bisschen Switch Reloaded im Internet und mit viel Zeitgeisthumor – viele dumme Sketches, aber richtig erfrischend und auf ironische Art sehr stumpf, so wie Humor halt sein sollte. Luksan Wunder hat viele Formate, unter anderem die geilen Videos zur richtigen Aussprache (kennt man vielleicht auch vom Postillon) oder die eher langweiligen Literal Videos zu irgendwelche aktuellen Songs. Unter den gefühlt zehntausend Videos gibt’s aber auch immer wieder unbekannte Schätze, wie das hier: Die 50 besten Menschen. Hier wird dieses nervige „Top XXX“-Format von Galileo und so persifliert, mit teilweise überraschenden Menschen (. Erinnert ein bisschen an die Switch-Folge mit den besten Erfindungen der Menschheit, wo der Pömpel auf Platz Eins war. Die Folge mit den Plätzen 45 bis 41 ist mMn die beste, bis jetzt gibt es aber leider noch keine Videos zu den Plätzen 30 bis 1.

Geil sind auch die Top 5 Grammatik-Fakten und die Videos der Minireihe Netzkolleg.