Inmitten des Kendrick/Drake Beefs und meiner tiefsten Hyperfokusphase dieses Jahres bezüglich Themen, die absolut keinen Einfluss auf mein Leben haben, habe ich diesen Channel des amerikanischen Französischprofessers „Professor Skye“ gefunden. Mittlerweile bestimmt kein Geheimtipp mehr, da es nun für über 100.000 Abonnenten reicht, sowie Kolloborationen mit den ganz Großen auf der Plattform. Er überraschte mich tatsächlich mit seiner Facettenreichheit was Genres und Reviews/Analysen angeht. Auch wenn er sich hauptsächlich Hip-Hop widmet, egal ob amerikanischer, spanischer, französischer oder gar deutscher, rutscht immer mal wieder eine Avant-Garde-Pop/Rock-Platte rein. Alben zu denen er ein Video macht lohnen sich meist zumindest mal reinzuhören, oder man nutzt ihn etwas als Releaseradar, die die bodenlose Plattform Spotify es seit Jahren ja einem schon nicht mehr schafft Bescheid zu geben, wenn ein Artist, von dem man 10 Alben gespeichert hat, ein neues Album rausbringt.
Skye versucht dabei nicht nur über die Themen der einzelnen Songs oder über das Album zu sprechen, sondern baut oft zu Brücken zu Philosophie und Kunstwerken, die ähnliche Themen oder Gefühle ansprechen und nutzt jene ebenso als Linse, durch die die Analyse stattfindet- sehr einladend für weitere doomscroll-deepdives. Besonders sympatisch daran ist, dass er oft seine Videos mit seinem Leben kontextualisiert und überraschen viel von seiner eigenen Person hier offen darstellt, unterstützt durch seine Art und Weise die Analysen und Reviews ohne Schnitt und in einem Take, teils im Bademantel auf dem Balkon oder schnell bevor das Baby aufwacht, aufzunehmen, was sehr erfrischend in einer Welt voller Jumpcuts und anderen Methoden zur Watchtimegenerierung sind.
Archiv der Kategorie: Special Interest
Toys dying.
Wenn die Unschuld stirbt ist der Teufel schuld. 21 Videos in Playlist.
Handwerkskunst … über Handwerkskunst.
Mein Meta-Goal ist erreicht. Nuff said.
Durch die Nacht mit Harmony Korine und Gaspar Noé
Ich habe beinahe vergessen, wie großartig „Durch die Nacht mit …“ von arte ist.* Hier shittalked – oder auch nicht, wer weiß das schon – Harmony Korine seinem Kollegen ordentlich das Ohr ab, es macht Laune.
*Das ist eine dreiste Lüge; ich habe erst vor einem Monat die komplette Episodenliste auf wilde Dreamteams abgegrast (vorne dabei: Jodorowski & Pinchberg („Jodorowsky’s Dune“ ist auch gerade auf arte zu sehen), Adam Green & Carl Barat sowie Thurston Moore & Phil Collins – alle ungesehen, aber vielversprechend)
Historische Luftbilder von Dortmund
Wer sich ein bisschen für Stadtgeschichte interessiert oder einfach mal sehen will, wie die Hood früher aussah: auf Geoweb gibt es ein Vergleichstool, um historische Luftbilder von Dortmund mit dem Status Quo zu vergleichen. Macht Laune und ist einfach interessant.
https://geoweb1.digistadtdo.de/doris_gdi/mapapps4/resources/apps/historischeluftbilder/index.html
From.Beyond
Ein Science Fiction der Unbehagen transportiert, der sich anfühlt, wie mit Genesis P Orridge auf einem Hochhausdach einen mutierten Fisch auszunehmen und dabei eine Endzeitsekte zu gründen. Ich bin beeindruckt von diesem kleinen Film aus 22, der in der Tradition von Ballard, Cronenberg oder auch den frühen Experimenten von Bloomkamp steht. File under Disturbing First Contact Content.
Diners of Massachusetts
Als bekennender Deepdive-Enthusiast bin ich bei meiner allmonatlichen Wikipedia-Recherche zu Sandwiches (es kommen immer wieder neue, interessante Artikel über die Geschichte und Variationen dieser göttlichen Art, Speisen aufzunehmen hinzu) bin ich auf dieser obskuren Seite gelandet. Obskur aus mannigfaltigen Gründen: der Artikel über die „Diners of Massachusetts“ (Multiple Property Submission im National Register of Historic Places der USA, also schon eine Nummer) ist länger als der über das National Register of Historic Places überhaupt; er ist von de facto einer einzigen Person erstellt worden; und er führt eine Liste der 22 Diners auf, von denen selbiger Autor für alle 22 jeweils eigene Wikipedia-Artikel geschrieben hat. Das ist ein so krankes Maß an Leidenschaft, dass ich einfach begeistert bin.
Größte Kakerlake der Welt
The Anatomy of Pixar’s Cars
Wer schon immer wissen wollte, wie (in)kohärent das Cars Universum mit seiner eigenen Logik und Anatomie umgeht, der kann diese Analyse hier schauen und sich fragen: sollte der Mensch sich von seinem analytischem Denken entfernen, zurück in die Höhlen kehren, in Kühe beißen und einfach wieder Lobotomie praktizieren, um Dinge einfach so hinzunehmen, wie sie sind… oder….

Weiß ich selber nicht. Jedenfalls fließt hier sehr viel Hingabe zum Nonsens und das ist immer einen Post wert. (leider darf man das video nicht einbetten, deshalb nur der Link)
Good Alchemy Video [Full VHS · 1995]
OG Japanoise Performances von Größen wie Masonna, Incapacitants, Merzbow, Solmania & Hijokaidan.
Da wird man ganz nostalgisch…
THE COMMUNIST MANIFESTO read by an 8-year-old boy [ENG]
Narcos Corridos
eine sache, die ich letztes jahr gelernt habe – narcos corridos.
corridos werden im norden von mexiko gesungen (im süden ist es dann mariachi). narco corridos ist dementsprechend traditionelle mexikanische musik aus dem norden, die geschichten der narcos, also den drogenkriegen, kartellen usw. erzählen.
das faszinierendste für mich dabei ist, dass diese musik für unsere mitteleuropäischen ohren ganz klar nach polka-/alpen-/alm-musik klingt, dort aber für eine andere tradition steht und die narcos zu dieser musik über drogen, gewalt, tod, mord, krieg singen, in panzerwesten, streetwear, maschinengewehren etc. … das ist schon ne ziemliche klang-bild-schere.
soviel zur geschichte. was ich aber am krasseten finde ist, dass die jugend sich da jetzt mitziehen lässt und ihren sadboy-emo-grind nicht unter trap beats nuscheln, sondern unter akustik gedudel.
xanax, fette karren und leichtbekleidete frauen gehen scheinbar auch gut mit tuba und quetschkommode.
Pogłos // noise art documentary (2015)
extrem geile noise-video-performance aus polen, vielmehr schlesien, die verschiedene locations nutzt, um noise mit gegebenem hall der jeweiligen location zu dokumentieren. beste stelle defintiv minute 20:00 aber es lohnt sich das ganze auf voller lautstärke zu pumpen.
„The movie „Pogłos“ („Reverberation“) is an audio art documentary. It consists of five parts, each part introduces a different audio performance, that took place in one of the suburban locations in Silesia, Poland. The concerts (without public) were performed in locations of unknown status, which had an interesting natural reverberation or were able to add some context to the sounds produced on the spot. Unwanted noise, banished from the city, could reverberate loud and clear in these places. The aim of the project was to look for new contexts for marginal sounds; the five segments of the movie tell the story of man dealing with the territory. The noise made by the artists became a metaphor of human’s inferference with the environment.“
Stein: Interpretationen Eines Geologischen Materials Und Seiner Symbolik (2013)
ganz geile compilation verschiedener noise-musiker, die steine genutzt haben, um musik zu machen. gute mischung aus scrap noise, musique concrete und harsh noise.
„Here 15 artists have been invited to offer their take on the concept of Stone. The results are a mixed bag of interpretations, where some focus on the physicality and the sonic possibilities inherent in this ground material: scrapings, grinding, and rumbles. Yet others have taken a more reflective approach, where existentialist track titles evoke the hardships of mining, and the barren wastelands of such regions.“
BESTIA PIGRA
Vor Jahren ist diese Schauspielcrew (theaterart Berlin) in irgendeiner Doku über Techno und die Wende in Berlin erwähnt worden und klar, ich habe es gegoogelt. Irgendwie landete ich dann bei diesen 19 Minuten wilder Performance. Fühlt sich an, als hätten Cronenberg und Pasolini ein Hieronymus Bosch-Bild einer postapokalyptischen Mad Max-Fetischparty gedreht, absulter Vibe.
Spoiler: Die Mucke ist wirklich übertrieben Scheiße, hab dazu „knife through the spine“ von himukalt gepumpt. (Danke an Dennis für die Empfehlung.)
Soft White Underbelly
Läuft momentan recht lückenlos nebenher. In einem Interview meint der Dude, dass er schon 9000 Videos gemacht hat und 24/7 am Start ist für dieses Porjekt. Konzept ist einfach: Eine Leinwand, (meistens) eine Person, zwischendurch ein paar Fragen, größenteils Skid Row. Weil es meistens um die Ränder der Gesellschaft geht – Pimps (SEHR sehenswert, eigentlich jede Folge), Mörder, Crack-Addicts, Punk-Musiker (großartiges Interview mit Merle Allin, dem Bruder von GG Allin), aber auch Missbrauchsopfer, Trickbetrüger usw. – geht das manchmal etwas an die Substanz, aber es lohnt sich. Super menschliche Interviews, wie man so sagen könnte, und eine einfach überraschende Menge an guten ErzählerInnen.
Henry Rollins
Ich habe so oft Witze über Henry Rollins Soloperformances gemacht, dass es mich beschämt, wie unendlich viel Spaß es macht, ihm tatsächlich zuzuhören. Seine Stimme kackt dermaßen ab, dass ich beim Wäscheaufhängen dachte, er wäre durch Lemmy ersetzt worden. Gute Zeit.
Walther Ziegler: Philosophien in 60 Minuten
Etwas populistisch, aber recht einfach und schlüssig erkläre Einstundenvorträge über die wichtigsten Philosophen. Zwischendurch fällt auch mal die ein oder andere falsche oder mindestens zweifelhafte Aussage, aber dennoch kann man ihm super folgen (unter Anderem dropped er irgendwann die enorm umstrittene und de facto nicht wirklich belegte primae noctis als Fakt – also das „Recht der ersten Nacht“, in welcher der Feudalherr angeblich das Recht gehabt hätte, die Hochzeitsnacht ihm Unterstehender als erster mit der Braut zu verbringen und baut darauf eine Argumentation auf; naja). Sehr nett zum beim Aufräumen hören und so.
New Quest added: Bust a YouTuber
Ein Magic The Gathering-YouTuber kriegt ein neues Produkt ausversehen vor Release zugeschickt, leakt die Karten online und wird daraufhin dafür von den Pinkertons gebustet, die die Karten zu Wizards Of The Coast zurückbringen. Ja, die Pinkertons. Und ja, das Magic The Gathering. Klingt wie eine Quest aus einem Southparkgame, welches Red Dead Redemption verballhornt.
Kleiner Nachtrag von jemandem, der sein Leben lang Magic gespielt hat: WOTC hat die letzten Jahre nur Scheiße gebaut, aber das ist sooo ein derber Tiefpunkt, da kann ich nur aufhören zu zocken.
„Polizei Bär“ und „Jude Bär“ kochen Fliegenpilztee
Amanita Muscaria, besser bekannt als Fliegenpilz ist das Symbol für Giftigkeit von Pilzen einerseits, andererseits aber auch das am häufigsten vorkommende Pilzbild. Von den Schlümpfen bis hin zu Gartenornamenten – der Fliegenpilz ist niemandem fremd. Ironischerweise ist das Bild des Fliegenpilzes als Symbol für Giftigkeit so kulturell verbreitet, dass seine tatsächlichen medizinischen Eigenschaften und historischen Verwendungen oft übersehen werden. Der Fliegenpilz scheint, zur toten Metapher geworden zu sein; es wird sich selten gefragt, warum dieser Pilz so prominent ist.
In der Volksmedizin wurde der Fliegenpilz beispielsweise als Schmerzmittel und zur Behandlung von Krankheiten wie Arthritis eingesetzt. Sibirische Geschichten erzählen vom Sammeln der Pilze im Herbst, ihrer Trocknung durch Schamanen und ihrer Verteilung an die Dorfbewohner im Winter. Es wurden auch schon Parallelen zum Weihnachtsmann gezogen, die Farbpalette des Fliegenpilzes legt es nahe. Außerdem war der Pilz als Rauschmittel bekannt und wurde von manchen Kulturen in rituellen Zeremonien verwendet.
Es ist faszinierend, wie das Wissen um den Fliegenpilz (und Pilze im Allgemeinen) verloren gegangen ist und jetzt langsam wieder seinen Weg zurückfindet. Spannend ist auch wer davon erzählt: Bei meiner bisherigen Recherche sind mir viele schräge Gestalten begegnet, wie zum Beispiel auch „Jude Bär“, dessen Kanal nur 18 Abonnenten hat. Sein Video zum Thema hat nur 277 Aufrufe und zählt zu den unseriöseren Quellen, zeigt aber gut, wie merkwürdig und uneinordbar zum Teil die Menschen sind, die Amanita Muscaria konsumieren und darüber berichten.
Frosta Werbung
Heftige Werbung, die wurde laut Kommentaren auch wirklich ein paar Mal ausgestrahlt.
Balance
Eigentlich geht’s hier nicht um Werbung oder Wohlbefinden, ich weiß. Aber ich fahre gerade ganz gut mit dieser App, und jeder Therapeut der Welt findet wohl, dass Meditationskram „auch ohne diesen Eso-Kram“ gut fürs Seelenheil ist. Balance ist eine sehr coole Meditations-App und kostet gerade 0€ für ein ganzes Jahr. Das finde ich in Anbetracht der Preise, die man sonst für sowas zahlt echt edel. Angenehme Stimme, die App lernt mit einem mit und zum Einschlafen ist das besser als Rohypnol. Das beste ist aber, dass da kein ranziger Astrovogelvibe am Start ist und man sich nicht fühlt wie im barfüßgen Ethno-Trommelzirkel im Westpark. Deshalb eine unbedingte Empfehlung für Balance.
Erklärvideo-Armageddon
Bereit, dem unbedingten Kunde-ist-König-Mindset (Und damit treibe ich mich selbst in den Ruin)* des Alles-Ist-Möglich-Kapitalismus wieder in Technicolor zu begegnen? LET’S GO! Der Algorithmus hat mir dieses Schmankerl angeschwemmt:
Liegt wohl daran, dass ich vor ein paar Monaten ein paar solcher Instruktionsvideos konsumiert habe. Weitere Favoriten sind das irre absurde Video „Verhalten am Messestand“, an dem wirklich alles off ist und das den wahren Geist einer anständigen Industrie-Messe beschwört, und ein absolutes Brett aus dem Archiv der Deutschen Bundesbahn „Abfertigen? Nein, bedienen“ ist ein Titel für sich und es wird wirklich überall Kette geraucht. Those were the days.
*Der beliebte „Würstchen“-Verkäufer Treibe-mich-selbst-in-den-Ruin Schnapper heißt im englischen Original Cut-Me-Own-Throat Dibbler. Ob die Übersetzung gut ist oder furchtbar, weiß nur der Geist von Terry Pratchett.
Found Footage Fest
Durch Zufall wurde mir dieses Video auf Facebook angezeigt und weil ich erst dachte, es wäre ein Death In June-Konzertmitschnitt, habe ich direkt draufgeklickt und war instant HOOKED’N’HAUNTED. Statt Douglas P. sieht man einen Garage Sale, bei dem die Preise ziemlich willkürlich von einer sonderbaren Person (NICHT Douglas P.) angekündigt werden. Gold.
Das Found Footage Fest scheint ein ziemliches Ding zu sein, an mir ist es vorbeigegangen, aber die Dudes sammeln echt weirden Kram.
24/7 Seinfeld
Keine Lust mehr auf Wiederholungen von Sitcoms? Seinfeld schon 3mal durchgeguckt? Keine Sorge mit der Kraft von AI kann man live generierte Sitcoms jetzt gucken. Aktuell 16 Tausend Leute lassen sich von diesem Stuss gerade unterhalten, inklusive mir. Die Zukunft ist jetzt:
https://www.twitch.tv/watchmeforever
https://www.twitch.tv/watchmeforever/clip/UnsightlyGrotesqueJaguarRickroll-N-qn5JpRxoM0pZrH
Why Food Commercials Cost Hundreds Of Thousands Of Dollars
Eine Antwort auf eine der Fragen, die man sich nie gestellt hat.
Adam Something
Interessanter Channel, der sich bisher vor allem mit Stadtplanung auseinandersetzt, aber auch viel anderen, sonderbaren Kram auf Lager hat („Surviving Anarcho-Capitalism“). Hier eine interessante Analyse, warum العاصمة الإدارية الجديدة / al-ʿĀṣima al-idārīya al-ǧadīda / „Die neue Verwaltungshauptstadt“ Ägyptens einfach bescheuert ist. Und das alles mit einer guten Portion Ruppigkeit.
Jeremy Fragrance bei Sky Sport
Mega geiles Interview, für mich instant auf einer Stufe mit dem Money Boy-Joiz-Interview und dem Yung Hurn Festival-Interview. Schon ziemlich lustig und man merkt ihm seine Intelligenz auch an, nur halt vermischt mit Wahnsinn, platten Aussagen über Frauen und Kindlichkeit. Jeremy Fragrance ist schon die geilste Persönlichkeit aktuell – mal gucken wie lange noch, seine Aussagen sind halt auch immer kurz davor die Cringe-Schwelle unwiderruflich zu überschreiten und er tritt garantiert irgendwann in ein krasses Fettnäppchen. Bis dahin bin ich ehrlich froh, dass es seinem Bruder jetzt gut geht.
Eine Stunde in der Küche von Eckart Witzigmann
Vorweg: Der Videotitel ist absolut irreführend. Ein Blick in die Beschreibung lohnt sich und offenbart, dass bei MultiNewsMedia scheinbar eine starke Aversion gegen Sterneküche herrscht. Sei’s drum. Die Doku ist eigentlich vom BR und aus dem Jahr 1984 und begleitet ein Abendmenü in Eckart Witzigmanns „Aubergine“ in München, fünf Jahre nachdem er mit diesem Laden als erstes Restaurant Deutschlands drei Sterne vom Guide Michelin erhalten hat (und sie 15 Jahre lang hielt, bis Witzigmann wegen eines kleinen Kokain-Malheurs die Regie an Alfons Schubeck abtreten musste).
Besonders interessant an der Doku ist zu sehen, wie enorm sich gehobene Gastronomie in den letzten Jahrzehnten gewandelt hat. Zwar ist Witzigmann Verfechter der Nouvelle Cousine (möglichst wenig Schischi, regional, einfach), dennoch sind einerseits die Präsentation (wirklich ALLES auf weißen Tellern, und dafür dass drei Leute an einem Teller fuhrwerken, bekommt man mittlerweile in den meisten Sushiläden spannender angerichtete Gerichte) und andererseits die Menüfolge aus heutiger Sicht ziemlich uninspiriert (Birnen in Rotweinsauce, Taubenbrust auf Salat, alles schön und gut, aber doch auch wenig überraschend). Fernab davon, dass es absolut unbegreiflich ist, wie man bei den wirklich wohlwollend bemessenen Portionen 13 Gänge schaffen soll.
Bonuspunkte für die Geräuschkulisse.
Knight‘ Procession
Als Lego-Freund füttert der Algorithmus mich stets mit neuen Erquickungen. Das Video fängt nicht so super spannend an und der Titel klingt nach Clickbait, aber … Jesus. Eine historisch interessante und absurd obskure Auseinandersetzung mit einem Lego-Set. 10/10 Noppenklemmsteine.
One Hour One Life
Innerhalb von 60 Minuten das Beste aus dem Leben machen was deine virtuelle Mama dir geschenkt hat. OHOL ist ein survival mmo mit Fokus auf Herstellung und Zivilisationsbau und ein Sozialexperiment. Du startest als Baby, geboren von einem anderen Spieler und bist vorerst von diesem abhängig bis du alt genug bist um mit zu helfen die Lebensumstände zu verbessern (Essen, Jagen, Bauen). Zwischendrin bekommst du (als Frau) dann auch Kinder oder du kriegst Geschwister, die natürlich ebenfalls Spieler sind.
Ich spiele OHOL gar nicht selber – der Start ins game soll auch etwas schwierig sein –, gebe mir aber gerne den yt-grind vor allem wenn sie „I started a cult!“ oder „We killed them all!“ beinhalten. Ne quark, tatsächlich ist die community in OHOL überwiegend hilfsbereit und freundlich, es ist einfach herzerwärmend die Zusammenarbeit und die Beziehungen der Spieler zu beobachten. Natürlich können auch hier richtige Dramen entstehen, wenn Paula die neu erfundene Axt vom Onkel dritten Grades vor 5 Generationen geklaut hat und sich deshalb auf dem Server 2 separate Lager gebildet haben.
Anyway, auch wenn der eigene Beitrag klein ist im Leben, oder gerade deswegen (permadeath) ist es fein zu sehen dass in (zumindest) dieser virtuellen Welt zusammen gearbeitet wird. Einen Blick auf den Wikipedia-Eintrag ist das Spiel auf jeden Fall wert.
Brave Wilderness
Zugegeben, das Format „Mensch fügt sich Schaden zu, andere schauen zu“ ist kein besonders innovatives. Allerdings hat niemand, der Jackass 1 gesehen hat darauf verzichtet, sich die (qualitativ schwankenden) Fortsetzungen reinzupfeffern. Hier allerdings, in Jordan Petersons‘ Stingzone, werden die Opfer am eigenen Leib dem Wohle der Wissenschaft feilgeboten. Abgesehen vom rein sachlich interessanten Aspekt, dass ein Typ sich von gefühlt jedem giftigen Insekt (und später auch anderen Tieren) des Planeten stechen oder beißen lässt und dies filmen lässt, lernt man auf dem Channel dieses wagemutigen Gesellen einiges über die Tierwelt.
Die perfekte Mischung aus BBC Naturdokus und Dashcam-Footage. 10/10
AD Open Door
Wer ebenso wie ich auf der Jagd nach architekturbezogenem und gleichermaßen bubatzkompatiblen Content ist (oder auch nur ein Mal in seinem Leben „Architecure“ in die Suchmaschine gehämmert hat, AD ist ungefähr so ein Geheimtipp wie der Rolling Stone – aber weniger dröge), landet zwangsläufig auf Architectural Digest. „Open Door“ ist einerseits eine herrlich unaufgeregte Version von MTV Cribs, andererseits Beweis dafür, dass Millionen auf dem Konto in 50% der Fälle die Bahn für vollendete Geschmacksverirrungen ebnen (überraschenderweise liegt Cheryl Crow da sehr weit vorne). Weil wir so mega zeitgeist (get well soon tho) unterwegs sind, hier aber das famose, herzerwärmende und einfach heftig coole Video mit Cara Delevingne, die einfach mal einen Vulvatunnel in ihr Haus hat hämmern lassen. Auch nicht alles schick, aber nice to watch.
Generell ist der Channel sehr empfehlenswert, viel geiler Content zu allem möglichen architekturbezogenen Kram.
Gründung von Schloss Cappenberg
Das Geschichtsfenster habe ich nicht geöffnet, aber ich reiß es noch ein bisschen weiter auf: Ein zehnminütiger Animationsfilm über die Gründung des Kloster Cappenberg ganz in unserer (Dortmunder) Nähe, extrem informativ für Leute, die schon immer mal wissen wollten was die Region historisch so auf dem Kasten hat. Der Film bringt die aktuelle Faktenlage, finde ich, ganz gut rüber (wenn man die manchmal sehr klischeehaften Zeichnung nicht allzu ernst nimmt).
Das Kloster Cappenberg ist auch immer nen Tagesausflug wert, den dort ausgestellten Cappenberger Kopf (früher Barbarossakopf) kennen auch Menschen, die mit dem Mittelalter nichts zu tun haben. Ich war 2019 auf ner Tagung zur Gründung des Klosters und war begeistert – die Historie ist schon irgendwo ziemlich nerdig, aber auch mega spannend.
Endlich wieder Trap House Kitchen
Als erklärter M-Beezy-Ultra – der Boy hat es einfach gemaked, von 1 verlachten Kunstfigur zu 1 legit Dude im Rap-Game zu getten – und als Foodfan bin ich natürlich hyped AF, wenn eine neue Episode der legendären Trap House Kitchen dropped. Wie immer sind die cooking skills am been, man getted den appetite; ich würde kritisieren, dass die Fries nach dem Chicken für 4 Minuten gefinished werden und dadurch die heat in beiden parts des dishes nicht consistent ist, aber es sieht trotzdem tasty aus und wie jeder weiß, kann der No-Plug wirklich cooken (siehe u. A. hier). WE LIT!
Geschichtsfenster
Reactionvideos sind tot, lang lebe das Reactionvideo. Scheißt auf „My Grandpa reacting to 2 Girls, 1 Cup“ (hehe, Fäkalwitz), ich hänge jetzt nicht nur noch bei den famosen Held der Steine-Videos*, sondern bei Geschichtsfenster rum. Historiker reagiert auf Harald Lesch, Welt der Wunder und sonstiges und hat auch fernab davon sehr, sehr interessanten, spezifischen (vorrangig Mittelalter-) Content. Ich bin tbh schockiert, dass dieses Video 45 Minuten geht, ich es aber „mal eben nebenher“ zur Abendlunte geschaut habe.
*Wie es sich gehört, eine Fußnote: der Held der Steine hat nicht nur wegen seines obskuren Logo-Kampfes mit der Firma LEGO (sehr interessanter Fall, scheißt auf diese Drecksfirma – aaaaber: schöne Sets kommen dennoch manchmal) auf linksradikalen Memeseiten eine kurze Welle der Lobhudelei erfahren, sondern teilt auch sonst (die Antikapitalisten freuen sich über dieses Fünkchen aufkeimender Opposition) sehr fein gegen die schmierigen Geschäftsmodelle einer der Firmen aus, deren Ware er veräußert und liefert vermutlich die ehrlichsten und ehrbarsten Produktrezensionen im ganzen Internet.
Barbie Jeep Downhill
Oh man, hatten wir während der Lockdowns viel Zeit. Zeit, die gut und gewinnbringend genutzt gehörte: Nach einer etwas ausufernden Begeisterung für Videos von Underground-Streetfights* und GoPro-Aufnahmen von Modellbahn-Lokmitfahrten bin ich direkt von Führerstand eines gepflegten ICE (Märklin, H0) in texanische Mudholes gestolpert. Nachdem ich mein Umfeld verwirrt wahrgenommen und etwas später verarbeitet hatte (Quads in Schlammlöchern, Partyaufnahmen mit obskuren Interviews, Truckpulling, das Gefühl, mehr dabei zu sein, als es sich für Außenstehende gehört) wurde ich von einer Gruppe selbsterklärter Rednecks aufgenommen, bekam ein Bud Light in die Pranke gerückt und wurde in die Welt des Barbie Jeep Racing eingeführt.
Man könnte jetzt alles auf Corona schieben (nur Spazieren, viel rumsitzen), aber da ich auch jetzt keinen Extremsport mache und nicht mal Bock darauf habe, hat die unverblümte Ehrlichkeit dieser ganzen Szene echt was in mir berührt. Teilweise haben die Rennen etwas von einem Initiationsrithus, alles sind irgendwie Gewinner und scheinen sich echt als Familie zu fühlen. Fernab davon sind die Rennen einfach richtig nice und unterhaltsam. Gut zum nebenher Sludge pumpen („God Luck and Good Speed“ von Weedeater ist abseits des großartigen Titel-Wortspiels ein perfect match).
*Ich empfehle K.O.T.S. auf YouTube – krass gefilmt, verstörend stumpfes Männlichkeitsgehabe, aber beeindruckend – beeindruckend stumpf, ja, aber dennoch heftig spannend und interessant, wie weit Menschen einzustecken bereit sind. Leider sind etliche Streetfighter in rechten cirklejerks aktive, gruselige Leute.
The Beautifully Strange World of Outsider Music & The Devil and Daniel Johnston
Ich bin während des Lockdowns letzten Jahres auf dieses sehr interessante Video über Outsider Music gestoßen:
Gepackt von dem Thema und „True Love will find You in the End“ von Daniel Johnston, begab ich mich auf weitere Recherche. Dabei fand ich diese unglaubliche Doku über Daniel Johnston namens The Devil and Daniel Johnston. Mit einem Certified Fresh Rating und Audience Score von 91% bei Rotten Tomatoes, zeigt diese Doku mithilfe von extrem vielen Aufnahmen durch Daniel selbst und Zeitstimmen von u.a. Sonic Youth das Porträt eines zu tiefst gestörten Künstlers und seiner Auseinandersetzung mit sich selbst, seiner fundamental christlichen Familie, einer fanatischen Jugendliebe, dem Teufel und Casper, dem freundlichen Geist.
Leider finde ich im Internet nur eine Version mit spanischen Untertiteln, die manchmal im Weg sind, falls wer was besseres findet, HMU. Trotzdem kann ich diese Doku jedem Menschen wärmstens Empfehlen, der ein Herz für strange Musik, Grounge oder slice of life Filmen ala Slacker von Richard Linklater hat.
Hier der Link:
https://www.dailymotion.com/video/x2hv6zm
AI Bildgeneration gewinnt Kunstwettbewerb und wie ihr das selbst machen könnt.
Falls man in den letzten Tagen etwas im Internet unterwegs war, hat man bestimmt mitbekommen, dass ein Künstler den ersten Preis eines Kunstwettbewerbes mithilfe eines durch AI generierten Bildes gewonnen hat:
https://www.vice.com/de/article/bvmvqm/ein-ki-generiertes-bild-hat-einen-kunstwettbewerb-gewonnen-und-kunstler-sind-angepisst?utm_source=pocket-newtab-global-de-DE
Natürlich gab es in der Künstlerszene deswegen einen kleinen Shitstorm, weil man als Künstler nun „kein Talent mehr braucht“.
Ähnliches könnte auch bald tatsächlich in der Musikszene passieren, z.B. gibt es schon die Jukebox AI:
https://openai.com/blog/jukebox/
Angefuttert durch diese Artikel, wollte ich nun natürlich selbst Wettbewerb-Gewinnende Kunst machen und fand bei meiner Recherche die kostenlose und Open-Source AI-text-to-image Generation „Stable Diffusion“.
Ihr könnt diese selbst unter:
https://beta.dreamstudio.ai/dream
und
https://huggingface.co/spaces/stabilityai/stable-diffusion
finden. Der erste Link hat ein limit von 200 generations pro Account, ist dafür aber schneller.
Für mehr Infos, guckt euch dieses Two-Minute-Papers Video an, ihr findet viele nützliche Links in der Beschreibung:
https://www.youtube.com/watch?v=nVhmFski3vg
PS: Für Jan hab ich die AI den neuen WIFIGOLD BAPE Pulli designen lassen

Tom Scott: Royal Albert Hall
Jaja, die Hälfte der Leute, die das hier lesen, haben wahrscheinlich eh Tom Scott abonniert. Aber ich fand dieses Video besonders spannend, 6 Minuten lang coole Infos und Bilder von der Royal Albert Hall. Am interessantesten: Das Dach ist nicht mit dem Rest des Gebäudes verknüpft, sondern einfach nur draufgepackt und so schwer, dass es sich eh nicht bewegt.